„Kooperative Führung, das ist etwas für Start-ups, nicht für die Verwaltung.“ Diesen Einwand höre ich oft, und er ist verständlich. Die öffentliche Verwaltung lebt von Hierarchie, Dienstweg und Weisungsbindung. Wie soll da ein Führungsstil funktionieren, der auf Beteiligung setzt?

Die Antwort: sehr gut, wenn man ihn richtig versteht. Kooperative Führung bedeutet nicht Basisdemokratie und auch nicht die Abschaffung der Hierarchie. Sie bedeutet, das Wissen und die Motivation der Mitarbeitenden zu nutzen, statt sie nur zu verwalten. Und gerade unter dem Druck von Fachkräftemangel, Digitalisierung und dem Ausscheiden ganzer Jahrgänge ist das für Behörden keine Kür mehr, sondern eine Notwendigkeit.

Dieser Artikel zeigt Ihnen, was kooperative Führung im öffentlichen Dienst konkret heißt, wie sie sich von anderen Führungsstilen abgrenzt, wie Sie den scheinbaren Widerspruch zur Hierarchie auflösen und mit welchen konkreten Formaten Sie kooperativ führen, ohne den rechtlichen Rahmen zu sprengen.

Die Idee stammt aus der Mitarbeiterführung im Handwerk und lässt sich mit Augenmaß auf die Verwaltung übertragen.

Was kooperative Führung in der Verwaltung konkret bedeutet

Kooperative Führung heißt: Die Führungskraft gibt die Richtung und den Rahmen vor, entwickelt die Wege aber gemeinsam mit den Mitarbeitenden und bindet deren Fachwissen in Entscheidungen ein. Die Entscheidung und die Verantwortung bleiben bei der Leitung, aber die Beschäftigten reden mit, statt nur auszuführen.

In der Verwaltung ist das besonders wertvoll, weil das entscheidende Wissen oft nicht an der Spitze liegt, sondern bei den Sachbearbeitenden, die den Fall, die Bürgerin oder das Verfahren täglich bearbeiten. Wer dieses Wissen einbindet, trifft bessere Entscheidungen und bekommt Mitarbeitende, die den Wandel mittragen, statt ihn auszusitzen.

Abgrenzung: kooperativ, partizipativ, autoritär, laissez-faire

Damit klar ist, worüber wir reden, eine kurze Einordnung der Führungsstile:

FührungsstilWer entscheidetWirkung in der Verwaltung
AutoritärNur die Leitung, per AnweisungFunktioniert bei Routine, erzeugt aber Dienst nach Vorschrift
Laissez-faireKaum jemand, jeder für sichFührt zu Reibung und unklaren Zuständigkeiten
KooperativLeitung gibt Rahmen, Team wirkt mitBeteiligung im klaren Rahmen, hohe Akzeptanz
PartizipativWeitgehende MitentscheidungNahe an kooperativ, mit noch mehr Mitbestimmung

Kooperativ und partizipativ werden oft synonym verwendet. Der Unterschied ist graduell: Beide setzen auf Beteiligung, partizipativ geht dabei tendenziell noch einen Schritt weiter in Richtung echter Mitentscheidung. Für die Verwaltung ist der kooperative Mittelweg meist der realistische: klare Führung, aber mit ernst gemeinter Beteiligung.

Der scheinbare Widerspruch: Hierarchie und Weisungsbindung vs. Beteiligung

Hier liegt der Kern, und hier machen es sich die meisten Ratgeber zu leicht. Ja, die Verwaltung ist hierarchisch, und ja, viele Aufgaben sind weisungsgebunden und rechtlich klar geregelt. Das ist kein Hindernis für kooperative Führung, es ist ihr Rahmen.

Der Schlüssel ist die Unterscheidung: Was ist vorgegeben, und was ist gestaltbar? Ein rechtlich geregeltes Verfahren steht nicht zur Abstimmung, das wäre auch falsch. Aber wie ein Team seine Arbeit organisiert, wie Abläufe verbessert werden, wie ein neues Fachverfahren eingeführt wird, wie Prioritäten im Alltag gesetzt werden, das sind Bereiche mit echtem Gestaltungsspielraum. Genau dort binden Sie ein. Wer diese Trennung klar kommuniziert, löst den scheinbaren Widerspruch auf: Beteiligung im Gestaltbaren, klare Ansage im Vorgegebenen.

Vorteile für Behörden

Kooperative Führung zahlt in der Verwaltung mehrfach ein:

Wo kooperative Führung an ihre Grenzen stößt

Ehrlichkeit gehört dazu: Kooperative Führung ist kein Allheilmittel. Bei rein weisungsgebundenen Hoheitsaufgaben, bei klaren rechtlichen Vorgaben und unter akutem Zeit- oder Fristendruck braucht es klare Ansagen, keine Beteiligungsrunde. Auch nicht jede Mitarbeiterin und jeder Mitarbeiter will mehr Verantwortung, und das ist zunächst legitim. Kooperative Führung ist ein Werkzeug, das Sie bewusst dort einsetzen, wo es passt, und dort weglassen, wo Klarheit und Tempo zählen.

So setzen Sie kooperative Führung im Amt konkret um

Damit aus dem Prinzip Praxis wird, drei Formate, die im Behördenalltag funktionieren:

Zusammenarbeit mit dem Personalrat und im rechtlichen Rahmen

Kooperative Führung und die Mitbestimmung des Personalrats sind keine Gegensätze, im Gegenteil. Eine Führungskraft, die ohnehin auf Beteiligung setzt, arbeitet mit dem Personalrat konstruktiver zusammen als eine, die ihn als Gegner sieht. Wichtig ist, den rechtlichen Rahmen zu kennen und zu respektieren: Beteiligung ersetzt keine formalen Mitbestimmungsrechte, sondern ergänzt sie durch eine gelebte Kultur. Wer beides zusammenbringt, führt souverän.

Womit Sie diese Woche anfangen

Wählen Sie eine anstehende Entscheidung in Ihrem Bereich, die gestaltbar ist, also nicht rechtlich festgelegt, und holen Sie vorher aktiv die Sicht der Mitarbeitenden ein, die es betrifft. Sagen Sie dabei klar, dass Sie am Ende entscheiden, aber ihre Expertise einbeziehen wollen. Beobachten Sie, was passiert. Meist bekommen Sie eine bessere Lösung und Mitarbeitende, die spürbar mehr mittragen. Das ist kooperative Führung im Kleinen, und der Anfang einer Kultur, die Ihre Verwaltung trägt.

Kooperative Führung in Ihrer Verwaltung entwickeln?

Arne Bär begleitet öffentliche Verwaltungen bei der Entwicklung einer modernen, kooperativen Führungskultur, als Umsetzungspartner, der den Behördenalltag und das Ausschreibungsverfahren nach VOL kennt. Wenn Sie das Thema in Ihrem Haus voranbringen wollen, sprechen wir am besten unverbindlich darüber.

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Häufige Fragen

Was ist kooperative Führung in der Verwaltung?

Ein Führungsstil, bei dem die Leitung Richtung und Rahmen vorgibt, die Wege aber gemeinsam mit den Mitarbeitenden entwickelt und deren Fachwissen in Entscheidungen einbindet. Entscheidung und Verantwortung bleiben bei der Führungskraft, die Beschäftigten wirken jedoch mit, statt nur auszuführen.

Passt kooperative Führung überhaupt zu hierarchischen Behörden?

Ja. Kooperative Führung schafft die Hierarchie nicht ab, sondern nutzt den Gestaltungsspielraum innerhalb ihres Rahmens. Rechtlich geregelte Verfahren stehen nicht zur Abstimmung, aber Arbeitsorganisation, Abläufe und Prioritäten lassen sich sehr wohl gemeinsam gestalten.

Worin unterscheiden sich kooperativer und partizipativer Führungsstil?

Beide setzen auf Beteiligung. Der Unterschied ist graduell: Partizipativ geht tendenziell weiter in Richtung echter Mitentscheidung, kooperativ meint einen Mittelweg mit klarer Führung und ernst gemeinter Beteiligung. Für die Verwaltung ist der kooperative Mittelweg meist am realistischsten.

Welche Nachteile hat kooperative Führung im öffentlichen Dienst?

Beteiligung braucht Zeit, und bei Fristen- oder Zeitdruck sowie rein weisungsgebundenen Aufgaben ist sie nicht der richtige Weg. Zudem will nicht jede und jeder mehr Verantwortung. Kooperative Führung ist deshalb kein Automatismus, sondern ein Werkzeug, das gezielt eingesetzt wird.

Wie führe ich kooperativ, wenn Aufgaben weisungsgebunden sind?

Indem Sie klar trennen: Was vorgegeben ist, wird als Ansage kommuniziert und begründet, was gestaltbar ist, wird gemeinsam entwickelt. Selbst bei stark geregelten Aufgaben bleibt fast immer ein Spielraum in der Organisation und Umsetzung, in dem Beteiligung möglich und sinnvoll ist.

Wie beginne ich als Amts- oder Sachgebietsleitung mit kooperativer Führung?

Klein und konkret. Führen Sie einen regelmäßigen Jour fixe ein, in dem auch Rückmeldungen nach oben Platz haben, und binden Sie bei der nächsten gestaltbaren Entscheidung aktiv die betroffenen Mitarbeitenden ein. Aus solchen ersten Schritten wächst über die Zeit eine kooperative Kultur.