Du kennst diese Tage. Morgens der Plan, was du alles erledigen willst. Und abends stellst du fest: Du hast den ganzen Tag reagiert. Auf Anrufe, auf Baustellen-Probleme, auf den Mitarbeiter, der was wollte, auf den Kunden, der drängelte. Deine eigenen wichtigen Dinge, das Angebot, die Zahlen, das Gespräch mit dem Gesellen, liegen unberührt da.
Du warst beschäftigt. Aber nicht bei dem, was zählt.
Das ist keine Frage von Zeitmanagement. Es ist eine Frage von Selbstführung. Denn bevor du dein Team führst, führst du dich selbst, ob bewusst oder unbewusst. Und wie du das tust, überträgt sich auf den ganzen Betrieb. Ein Chef, der ständig im Reaktionsmodus hängt, bekommt ein Team, das ständig auf Ansage wartet.
Die meisten Artikel zu diesem Thema sind abstrakt und akademisch, geschrieben für Karriere-Coachings und Business Schools. Dieser hier ist für dich als Unternehmer und Führungskraft: was Selbstführung praktisch bedeutet, welche Methoden helfen, und ein Selbsttest, mit dem du deinen eigenen Stand ehrlich prüfst.
Was Selbstführung ist
Selbstführung bedeutet, persönliche Ziele und Werte so in Einklang zu bringen, dass du deine Ziele erreichen kannst und dabei Zufriedenheit erlebst. Im Alltag zeigt sich das daran, wie du denkst, fühlst und handelst – gerade dann, wenn Druck entsteht oder etwas nicht nach Plan läuft.
Kurz: Du führst dich selbst, bevor dich der Tag führt.
Das ist kein Persönlichkeits-Luxus, sondern eine Grundlage jeder Führung. Die eigene Person ist der Bereich, auf den du bei Veränderung den unmittelbarsten Einfluss hast. Wenn du dich selbst wahrnimmst, deine Wirkung prüfst und dein Handeln bewusst ausrichtest, entsteht eine verlässlichere Grundlage für die Führung anderer.
Selbstführung heißt dabei nicht, immer ruhig zu sein und alles im Griff zu haben. Es heißt, die eigene Reaktion wahrzunehmen und an einer Stelle Einfluss zu nehmen. Manchmal ist das ein anderer Gedanke, manchmal eine Pause, manchmal ein klares Gespräch, das du nicht länger aufschiebst.
Selbstführung, Selbstmanagement, Selbstorganisation
Diese Begriffe werden oft in einen Topf geworfen. Sie bauen aber aufeinander auf.
| Begriff | Worum es geht | Beispiel |
|---|---|---|
| Selbstorganisation | Deine Abläufe und Aufgaben ordnen | To-do-Liste, Kalender, Ablage |
| Selbstmanagement | Deine Zeit und Ressourcen steuern | Prioritäten setzen, Nein sagen |
| Selbstführung | Dich als Mensch führen: Werte, Haltung, Motivation | Wissen, wofür du das alles tust |
Selbstorganisation und Selbstmanagement beschreiben wichtige Werkzeuge. Selbstführung verbindet diese Werkzeuge mit der Frage, wofür du deine Zeit, Kraft und Aufmerksamkeit einsetzt.
Ein gut organisierter Kalender kann dir helfen, den Überblick zu behalten. Er entscheidet aber nicht für dich, welche Aufgabe wirklich wichtig ist. Dafür brauchst du eine klare Ausrichtung: persönliche Ziele, Werte, Schwerpunkte und die Bereitschaft, manches bewusst nicht zu tun.
Auch ein Planungssystem muss zu dir und zu deiner Arbeitssituation passen. Entscheidend ist nicht, welches System auf dem Papier am vollständigsten aussieht. Entscheidend ist, ob es dir hilft, Wichtiges zu erkennen, Aufgaben zu Ende zu bringen und Raum für Führung zu schaffen.
Warum Selbstführung so wichtig ist, für dich und dein Team
Für dich schafft Selbstführung die Möglichkeit, den eigenen Arbeitstag bewusster zu gestalten. Du entscheidest eher, worauf du reagierst und worauf nicht. Du prüfst, was gerade geschieht, wie du reagierst und welche Folgen eine Entscheidung haben kann. Das hilft dir, bei Druck nicht nur beschäftigt zu sein, sondern dich an dem auszurichten, was für dich und den Betrieb wichtig ist.
Für dein Team wird Selbstführung an deinem Verhalten sichtbar. Ein Chef, der nachvollziehbar handelt, eigene Sorgen wahrnimmt und sich nicht von ihnen bestimmen lässt, gibt Orientierung. Ebenso wichtig ist, dass du vorlebst, was du von anderen erwartest. Wenn du Verlässlichkeit verlangst, aber selbst Absprachen nicht einhältst, entsteht keine glaubwürdige Grundlage.
Selbstführung ist deshalb kein Rückzug ins Private. Sie betrifft die Art, wie du Entscheidungen triffst, Gespräche führst, Grenzen setzt und Verantwortung abgibst. Genau darin liegt ihre Bedeutung für einen Betrieb, in dem Menschen mitdenken und Verantwortung übernehmen sollen.
Die drei Grundsätze der Selbstführung
Im Lotsenmodell lässt sich Selbstführung über drei Grundsätze beschreiben. Sie bauen aufeinander auf und gehören im Alltag zusammen.
1. Selbstkenntnis schärfen. Du kannst nur bewusst beeinflussen, was du wahrnimmst. Dazu gehört, die eigenen Gedanken, Gefühle und Verhaltensweisen zu beobachten. Welche Stärken und Ressourcen bringst du ein? Wo liegen deine Grenzen? Wie wirken deine Worte und Taten auf dein Gegenüber? Selbstkenntnis bedeutet nicht, sich ständig zu analysieren. Es bedeutet, sich selbst bei der Arbeit bewusst zuzusehen und wiederkehrende Muster zu erkennen.
2. Verantwortung übernehmen. Selbstführung zeigt sich darin, dass du die Gestalterrolle für deine Aufgabe einnimmst. Das heißt nicht, dass du jede Ursache selbst zu verantworten hast. Du kannst aber prüfen, welchen Beitrag du leisten, welche Grenze du setzen und welche Entscheidung du treffen kannst. Dazu gehört auch, begründet Nein zu sagen, unangenehme Dinge zeitnah anzupacken und bei einer Entscheidung nicht dauerhaft die Umstände zum Schuldigen zu machen.
3. Lebenslang lernen. Selbstführung bleibt in Bewegung. Die Situation ist dein Coach, wenn du bereit bist, aus ihr zu lernen. Dazu gehört, nach Feedback zu fragen, eigene Vorstellungen an die Gegebenheiten anzupassen, den Rand der Komfortzone aufzusuchen und den nächsten kleinen Schritt zum Ziel zu erkennen. Nicht alles gelingt sofort. Entscheidend ist, dass du aus dem, was noch nicht gelungen ist, eine nächste Lernbewegung machst.
Das Modell dahinter: Denken, Fühlen, Handeln
Diese drei hängen zusammen, und genau da setzt Selbstführung an.
Eine Situation, der Geselle hat gepfuscht, löst einen Gedanken aus: „Der macht das mit Absicht.” Der Gedanke erzeugt ein Gefühl: Ärger. Das Gefühl steuert ein Verhalten: anbrüllen.
Wer sich selbst führt, nimmt diese Kette wahr und prüft, an welcher Stelle er Einfluss nehmen kann. Vielleicht lautet der erste Gedanke: „Der macht das mit Absicht.” Ein anderer Gedanke könnte sein: „Vielleicht wusste er nicht, worauf es ankam.” Beide Gedanken führen nicht automatisch zum gleichen Gefühl und zum gleichen Verhalten.
Das bedeutet nicht, dass du dir jede Situation schönreden sollst. Ein Fehler bleibt ein Fehler, und eine Vereinbarung darf klar angesprochen werden. Der Unterschied liegt darin, ob du aus dem ersten Impuls handelst oder zunächst wahrnimmst, was gerade geschieht und wie du darauf reagierst.
Selbstführung heißt also nicht, Gefühle zu unterdrücken. Sie heißt, diese Kette nicht blind ablaufen zu lassen, sondern bewusst an einer Stelle zu unterbrechen. Manchmal veränderst du den Gedanken, manchmal nimmst du eine Pause, manchmal führst du das notwendige Gespräch erst dann, wenn du wieder besonnen vorgehen kannst.
Die vier Fallen im Unternehmeralltag
Es gibt vier Muster, die ich bei Meistern und Inhabern immer wieder sehe. Jedes davon kann zu einem Selbstführungsproblem werden, auch wenn es sich zunächst wie ein Zeitproblem anfühlt. Die Frage ist nicht, ob du eines dieser Muster kennst. Die wichtigere Frage lautet: Woran erkennst du es bei dir – und was tust du dann?
Falle 1: Der Reaktionsmodus. Der Tag besteht aus Reagieren. Wer anruft, bekommt Aufmerksamkeit, wer am lautesten drängt, wird zuerst bedient. Das fühlt sich produktiv an, weil ständig etwas passiert. Am Ende der Woche ist aber manches von dem unerledigt, was den Betrieb wirklich voranbringt.
Der Ausweg ist unbequem: Nicht jede Störung verdient sofortige Reaktion. Prüfe, was jetzt tatsächlich deine Aufmerksamkeit braucht und was bis zu einer festgelegten Zeit warten kann. Eine Fokuszeit hilft dir, ungestört an einer wichtigen Aufgabe zu arbeiten. Ohne diesen Raum wird Führung schnell zu dem, was zwischen zwei Störungen noch übrig bleibt.
Falle 2: Der Fluchtreflex ins Handwerk. Wenn es schwierig wird, gehen manche Chefs zurück auf die Baustelle. Dort können sie etwas, dort sehen sie ein Ergebnis, dort fühlen sie sich sicher. Das ist verständlich. Gleichzeitig kann es eine Möglichkeit sein, den Aufgaben auszuweichen, die als Führungskraft anstehen: das unangenehme Gespräch, die Kalkulation oder eine Entscheidung, die nicht länger vertagt werden sollte.
Selbstführung heißt hier, die eigene Motivation ehrlich anzusehen. Gehst du auf die Baustelle, weil deine Erfahrung dort wirklich gebraucht wird? Oder gehst du dorthin, weil die andere Aufgabe unangenehm ist? Diese Unterscheidung verändert bereits den nächsten Schritt.
Falle 3: Der Betrieb im Kopf. Feierabend ist, wenn der Körper zuhause ist. Der Kopf bleibt auf der Baustelle. Beim Abendessen wird über den Kunden nachgedacht, nachts über die Liquidität. So bleibt wenig Raum für Familie, Erholung und die eigene Regeneration.
Ein erster Schritt besteht darin, die Gedanken aus dem Kopf herauszubekommen. Schreibe auf, was dich beschäftigt, und lege fest, wann du dich damit befassen willst. Danach kannst du prüfen: Ist das eine Aufgabe, eine Entscheidung, ein Gespräch oder nur eine Sorge ohne nächsten Schritt? Die Unterscheidung ist wichtig. Nicht jedes Problem lässt sich sofort lösen, aber viele Gedanken werden klarer, wenn sie einen Platz und einen nächsten Termin bekommen.
Zu Selbstführung gehört außerdem, die eigenen Kraftquellen zu kennen und zu pflegen. Auszeiten sind keine Belohnung dafür, dass alles erledigt ist. Sie müssen im Alltag Raum bekommen – täglich, wöchentlich und jährlich.
Falle 4: Das ungesagte Nein. Jeder Auftrag wird angenommen, jede Bitte erfüllt, jeder Termin zugesagt. Nicht unbedingt aus Schwäche, sondern weil ein Nein sich nach einer verpassten Chance anfühlt. Das Ergebnis kann eine Überlast sein, die du an dein Team weitergibst.
Konzentration bedeutet, auf etwas zu verzichten und Aufgaben abzuschneiden. Jede Entscheidung für etwas ist gleichzeitig eine Entscheidung gegen etwas anderes. Die drei Fragen aus den Lernkarten helfen dabei: Warum überhaupt? Warum ich? Warum jetzt? Sie machen sichtbar, ob eine Aufgabe wirklich zu deinen Schwerpunkten gehört, ob du sie übernehmen musst und ob sie jetzt dran ist.
Ein begründetes Nein schafft nicht automatisch Zustimmung. Es schafft aber Klarheit – für dich und für die Menschen, die mit dir arbeiten.
Diese vier Fallen haben eines gemeinsam: Sie fühlen sich nach Fleiß an. Genau deshalb sind sie hartnäckig. Wer viel arbeitet, hat leicht das Gefühl, das Richtige zu tun. Selbstführung setzt einen Schritt früher an: Was geschieht gerade? Wie reagiere ich? Und dient das, was ich tue, tatsächlich dem Ziel, das ich erreichen will?
Methoden-Baukasten: So führst du dich konkret
| Methode | Wozu sie hilft | Wie du sie anwendest |
|---|---|---|
| Tagesrückblick | Muster erkennen | Abends fünf Minuten: Was lief gut, was würde ich anders machen? |
| Wochenfokus | Aufs Wichtige statt aufs Dringende | Montags die drei wichtigsten Dinge der Woche festlegen |
| Werte klären | Entscheidungen aus Haltung treffen | Aufschreiben, wofür dein Betrieb und du stehen |
| Pause vor Reaktion | Selbststeuerung im Affekt | Bei Ärger erst durchatmen, dann reden. Notfalls: morgen reden |
| Nein sagen üben | Zeit und Kraft schützen | Nicht jede Anfrage sofort mit Ja beantworten |
| Feste Zeit fürs Wichtige | Wichtiges kommt zuerst dran | Eine Fokuszeit einplanen, in der du ungestört an einer wichtigen Aufgabe arbeitest |
| Auszeit | Kraft und Aufmerksamkeit erhalten | Täglich, wöchentlich und jährlich bewusst Raum für Pausen und Erholung schaffen |
| Nächster kleiner Schritt | Entwicklung in Bewegung bringen | Den nächsten konkreten Schritt zum Ziel identifizieren und gehen |
Du musst nicht alles auf einmal. Nimm dir eine Methode oder eine Gewohnheit vor und beobachte, was sich dadurch verändert. Es geht nicht darum, möglichst viele Instrumente zu kennen. Es geht darum, eines davon so anzuwenden, dass es deinen Alltag tatsächlich verändert. Ein Tagesrückblick kann dir zeigen, wo du dich verzettelst. Eine Fokuszeit kann dir Raum für eine wichtige Aufgabe geben. Ein begründetes Nein kann eine Überlastung verhindern.
Selbstanalyse: der ehrliche Selbsttest
Selbstführung beginnt mit Selbsterkenntnis. Nimm dir zwanzig Minuten und beantworte diese Fragen ehrlich, am besten schriftlich. Es gibt keine richtigen Antworten, nur aufschlussreiche. Die Fragen stammen aus den Themenfeldern Werte und Sinn, Selbstwahrnehmung, Selbstausrichtung und Selbstentwicklung. Entscheidend ist nicht, überall eine hohe Einschätzung abzugeben. Entscheidend ist, zu erkennen, wo deine Stärken liegen und wo du im Alltag Entwicklungsmöglichkeiten siehst.
Wofür du stehst: Werte und Sinn
- Wofür stehe ich als Chef, was ist mir wirklich wichtig?
- Warum mache ich das, was ich mache, was treibt mich an?
- Passt mein Alltag zu dem, was mir wichtig ist, oder ziehen die beiden auseinander?
- Worauf wäre ich in einem Jahr stolz?
- Nehme ich mir regelmäßig Zeit, um über mein Handeln, mein Erleben oder aufkommende Fragen nachzudenken?
Wie du dich selbst siehst: Selbstwahrnehmung
- Was sind meine drei größten Stärken als Führungskraft?
- Wo liegen meine blinden Flecken? Was sagen andere über mich, das ich ungern höre?
- Wann fühle ich mich bei der Arbeit am lebendigsten, und wann ausgelaugt?
- Rede ich mit mir selbst eher wie mit einem guten Mitarbeiter oder wie mit einem Versager?
- Wie wirken meine Worte und meine Taten auf mein Gegenüber – jetzt und hier?
Wie du mit Druck umgehst: Selbststeuerung
- Wie reagiere ich, wenn etwas schiefläuft, sofort und laut oder überlegt?
- Was bringt mich zuverlässig auf die Palme, und warum ausgerechnet das?
- Wie oft handle ich aus dem Impuls und bereue es danach?
- Kann ich abschalten, oder nehme ich den Betrieb bis ins Bett mit?
Wie du deine Zeit führst: Prioritäten
- Bestimme ich meinen Tag, oder bestimmt der Tag mich?
- Wie viel Zeit verbringe ich mit Dringendem, wie viel mit wirklich Wichtigem?
- Wozu müsste ich Nein sagen, um mehr von dem Richtigen zu tun?
- Wann habe ich zuletzt eine Aufgabe abgegeben, die ich nicht selbst machen müsste?
Wo du hinwillst: Zukunft und Entwicklung
- Wo will ich in drei Jahren stehen, mit mir und mit dem Betrieb?
- Was müsste ich an mir selbst ändern, damit das gelingt?
- Was ist der eine nächste Schritt, den ich diese Woche gehen kann?
Geh die Antworten nach ein paar Tagen nochmal durch. Oft siehst du erst dann das Muster, das dir beim Schreiben entgangen ist. Und häufig steht die wichtigste Erkenntnis nicht in einer einzelnen Antwort, sondern im Abstand zwischen zwei Antworten: zwischen dem, was dir wichtig ist, und dem, womit du deine Tage füllst.
Übertrage anschließend zwei Erkenntnisse in deinen Alltag: eine Stärke, der du mehr Raum geben willst, und eine Begrenzung, mit der du bewusster umgehen möchtest. Formuliere daraus einen kleinen, sichtbaren Schritt. Die Standortbestimmung soll kein Urteil über dich sein. Sie soll dir helfen, deine persönliche Entwicklung zu fokussieren.
Selbstführung heißt nicht Selbstoptimierung
Ein Missverständnis, das dieses Thema begleitet: Selbstführung wird oft mit ständiger Selbstverbesserung verwechselt. Noch früher aufstehen, noch mehr schaffen, noch disziplinierter sein.
Das ist nicht gemeint, und es geht meistens schief. Wer sich selbst führt wie ein Antreiber, hat nur den Chef gewechselt, den Druck aber behalten. Gute Selbstführung erkennt man nicht an einem vollen Kalender, sondern daran, dass die wichtigen Dinge Raum bekommen und du weißt, wofür du deine Zeit und Kraft einsetzt.
Dazu gehört auch, die eigenen Stärken einzubringen und sich in den eigenen Schwächen ergänzen zu lassen. Du musst nicht alles selbst können. Selbstführung bedeutet ebenso, die eigenen Grenzen anzuerkennen, Unterstützung anzunehmen und Aufgaben so zu gestalten, dass du wirksam beitragen kannst.
Dazu gehört, die eigenen Grenzen ernst zu nehmen. Die Standortbestimmung fragt deshalb nicht nur nach Zielen und Leistung, sondern auch nach Kraftquellen, Pausen, Ruhe und Erholung. Wer die eigenen Warnsignale wahrnimmt, kann früher prüfen, welche Maßnahme angemessen ist.
Auszeiten gehören zur Selbstführung: täglich, wöchentlich und jährlich. Das ist kein Gegensatz zu Verantwortung. Wer immer nur weiterarbeitet, verliert den Blick für das, was er eigentlich gestalten will. Maß halten heißt nicht, weniger ernsthaft zu arbeiten. Es heißt, die eigene Kraft so einzusetzen, dass sie nicht dauerhaft gegen die eigenen Ziele arbeitet.
Und noch etwas: Selbstführung heißt nicht, immer die Kontrolle zu haben. Es heißt, zu unterscheiden, was du annehmen musst und was du gestalten oder beenden kannst. Wer merkt, dass er gerade zu wütend für ein Gespräch ist, darf eine Pause einlegen und einen passenden Zeitpunkt festlegen. Das ist keine Flucht vor Verantwortung. Es kann der Schritt sein, der ein notwendiges Gespräch überhaupt erst möglich macht.
Selbstführung im Führungsalltag
Der eigentliche Sinn von Selbstführung zeigt sich im Umgang mit dem Team.
Wer sich selbst führt, kann die eigene Wirkung im Führungsalltag besser prüfen. Er hört im Gespräch aufmerksam zu, stellt erkundende Fragen und nimmt Feedback in einer lernenden Haltung an, statt sich sofort zu rechtfertigen. Er beteiligt Menschen, fokussiert das Wesentliche und schafft Rahmenbedingungen, in denen andere ihre Aufgaben erfüllen können.
Dazu gehört auch, Verantwortung abzugeben, ohne das Interesse am Ergebnis zu verlieren. Du musst nicht jede Aufgabe selbst kontrollieren, um Führung zu übernehmen. Du brauchst Klarheit darüber, was vereinbart ist, welche Unterstützung gebraucht wird und wann ihr gemeinsam prüft, wie es weitergeht.
So schließt sich der Kreis: Selbstführung ist eine Grundlage dafür, andere Menschen kooperativ zu führen. Wie du aus dieser Haltung heraus Gespräche führst, steht in Mitarbeitergespräch führen. Wie du dein Team dauerhaft bindest und zum Mitdenken bringst, in Mitarbeiterengagement steigern. Und wie du Aufgaben abgibst, ohne die Verantwortung für Klarheit und Ergebnis zu verlieren, in Aufgaben delegieren als Meister.
Womit du diese Woche anfängst
Selbstführung lernst du nicht allein durch Nachdenken, sondern durch kleine, tägliche Entscheidungen und die Bereitschaft, aus ihnen zu lernen.
Fang mit einer Sache an: Nimm dir eine Fokuszeit, schreibe am Abend einen kurzen Rückblick oder prüfe eine anstehende Aufgabe mit den Fragen: Warum überhaupt? Warum ich? Warum jetzt? Entscheide dich für einen konkreten Schritt und beobachte, was sich dadurch in deinem Alltag verändert.
Am Ende der Woche fragst du dich: Was ist mir gelungen? Was hat mich behindert? Was nehme ich in die nächste Woche mit? So wird Selbstführung zu einer Gewohnheit – nicht zu einem weiteren Anspruch, an dem du dich messen musst.
Wer sich selbst besser führt, schafft bessere Voraussetzungen für kooperative Führung. Wie das im Betrieb konkret aussieht, zeigt unser Programm Kooperative Führungsqualität.
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Häufige Fragen
Was ist der Unterschied zwischen Selbstführung und Selbstmanagement?
Selbstmanagement ist das Steuern deiner Zeit und Ressourcen: Prioritäten setzen, planen, Nein sagen. Selbstführung verbindet diese Werkzeuge mit deinen persönlichen Zielen, Werten und deiner Haltung. Ein gut geführter Kalender hilft dir nur dann, wenn du damit an den richtigen Dingen arbeitest.
Kann man Selbstführung lernen?
Selbstführung entwickelt sich durch bewusste Wahrnehmung, wiederholte Übung und die Bereitschaft, aus Erfahrungen zu lernen. Wer sich selbst beobachtet, innehalten kann und an kleinen Schritten dranbleibt, entwickelt seine Selbstführung weiter.
Warum ist Selbstführung für Führungskräfte wichtig?
Weil du dich selbst führst, bevor du andere führst, ob bewusst oder unbewusst. Dein Umgang mit Druck, Zeit und Entscheidungen prägt, was dein Team von dir erlebt. Wer die eigene Wirkung wahrnimmt und Verantwortung für das eigene Handeln übernimmt, schafft bessere Voraussetzungen für klare und verlässliche Zusammenarbeit.
Wie fange ich mit Selbstführung an?
Mit dem Selbsttest in diesem Artikel und einer einzigen Methode. Zum Beispiel mit einem kurzen Tagesrückblick, einer Fokuszeit für eine wichtige Aufgabe oder den drei Fragen: Warum überhaupt? Warum ich? Warum jetzt? Nicht alles auf einmal, sondern eine Gewohnheit, an der du dranbleibst.
Welche Methoden helfen bei der Selbstführung?
Hilfreich sind Selbstbeobachtung und Rückblick, klare Prioritäten, Fokuszeiten, eine bewusste Pause vor der Reaktion, begründetes Nein-Sagen und Auszeiten. Auch Feedback und der nächste kleine Schritt gehören dazu. Du brauchst nicht alles gleichzeitig. Eine Methode, die du wirklich anwendest, ist wertvoller als zehn, die du nur kennst.
Was hat Selbstführung mit dem Führen von Mitarbeitern zu tun?
Selbstführung zeigt sich unmittelbar in der Zusammenarbeit. Wenn du deine Wirkung wahrnimmst, Verantwortung übernimmst und aus Erfahrungen lernst, kannst du auch Mitarbeitende klarer beteiligen, fokussieren und befähigen. Das schafft Voraussetzungen dafür, dass Menschen Verantwortung übernehmen und mitdenken.